OTTO WAGNER – BIOGRAPHIE

Wie kaum ein anderer Architekt hat Otto Wagner das Gesicht der Stadt Wien im Sinne seiner Zeit geprägt. Nicht allein durch Bauten, die das Stadtbild bis heute prägen, sondern vor allem durch Gedanken der Architekturtheorie und der modernen Stadtplanung, die in unzähligen Schriften publiziert wurden und Generationen von Architekten nachhaltig inspirierten bzw. beeinflussten.

1841 in Penzing geboren, studierte Otto Wagner in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts zuerst in Berlin und anschließend in Wien an der Akademie der bildenden Künste. Seine architektonischen Anfänge fallen in eine Zeit des Aufbruchs und der Neugestaltung. Überall in Europa entstanden die großen Boulevards und Repräsentationsbühnen eines neuen, selbstbewussten Großbürgertums. Während in diesen Jahren insbesondere die eklektizistische Vielfalt des romantischen Historismus dominierend war, zeichneten sich selbst die frühen Werke Wagners durch eine reduziertere, schlichtere Formensprache aus, die in Proportion und Erscheinung den Einfluss des Klassizismus nie ganz verleugnen konnten.

1888 wurde schließlich die Wagner Villa I fertiggestellt und avancierte in den Augen der Zeitgenossen sehr schnell zur architektonischen Visitenkarte Otto Wagners. Dem freien Renaissance-Stil, inspiriert durch die norditalienischen Bauten des Architekten Andrea Paladios, wurden die malerischen Elemente eines heraufdämmernden Jugendstils zur Seite gestellt. Otto Wagner etablierte sich als Visionär, der die Zeichen der Zeit zu deuten und zu beeinflussen verstand. Denn während sich viele Architekten dem Wunsch der Gesellschaft beugten, die Errungenschaften einer rasanten industriellen Entwicklung hinter nostalgischen Fassaden und sentimentalen Stilverbrämungen zu verstecken, vertrat Wagner vehement die Auffassung, dass die Funktionalität einer Architektur an erster Stelle zu stehen habe; und dass sich Schönheit und Nutzen zu jedem Zeitpunkt die Waage zu halten haben.

Eindrucksvolle Zeugnisse der Umsetzung dieser Vorstellung sind bis heute die Kirche am Steinhof, die Postsparkasse, aber auch die Planung und die Gestaltung der Stadtbahn in den 1890ern geblieben.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 ließ das goldene Zeitalter der Belle Époque abrupt und unvorhergesehen enden. Große Bauaufträge blieben aus, die einst zu erwartende städtebauliche Entwicklung der Haupt- und Residenzstadt Wien begann zu stagnieren und Otto Wagner sah sich mit den kargen Lebensmittelrationen der Kriegsjahre konfrontiert, die einen scharfen Kontrast zu seiner üppigen Lebensführung der Vorkriegsjahre darstellten.

Otto Wagner starb 1918 als prominentes Opfer der Spanischen Grippe, wie unmittelbar zuvor bereits auch Gustav Klimt und Egon Schiele.

Was blieb, war ein Erbe, dessen Einfluss dem späteren Bauhaus den Weg ebnen sollte und bis in die 30er Jahre hinein nichts an Aktualität eingebüßt hatte. Bis heute steht der Wiener Jugendstil unter dem Einfluss Wagners für zeitlose Eleganz und funktionale Schönheit.